Orchestergraben Interview

Über Liebe sprechen durch die Musik – Interview mit der Cellistin Olivia Gay

Die französische Cellistin Olivia Gay hat bereits zwei Alben aufgenommen, und mit vielen Orchestern und Musiker*nnen zusammengearbeitet. Ihr Studium in Deutschland verbrachte sie in Stuttgart und Freiburg. Vor einem Monat hat sie mit einem Video zum diesjährigen Earth Day einen Beitrag zum Kampf gegen die Klimakrise geleistet.

Wie das zustande kam konnte ich sie nun in einem Interview fragen.

Olivia Gay Portrait
Olivia Gay
Olivia, das Verreisen mit dem Cello kann bekanntermaßen etwas sperrig sein. Vermissen Sie es trotzdem?

Ja natürlich! Ich bin sozusagen mit meinem Cello auf dem Rücken aufgewachsen! Im Zug oder im Flugzeug stelle ich es neben mich und schlafe daran, das ist sehr praktisch!

Auf Ihrem Debüt-Album Horizon(s) Neue Musik zu spielen war ja eher mutig. Wie kam es damals dazu?

Ich liebe Musik im allgemeinen und auch alle Genres. Ich habe immer moderne Musik gespielt, und ich liebe den Kontakt mit Komponist*innen. Für mich ist der Prozess der Aufnahme von Repertoire-Musik oder Neuer Musik der gleiche, es war nur eine Frage der Umstände. Kurz vor der Aufnahme von Horizon(s), hatte ich während meines Studiums in Deutschland die Musik von Pēteris Vasks entdeckt. Ich hatte auch die Chance, mehrere Werke von Philippe Hersant mit ihm zu üben. Thierry Maillard ist ein großartiger Jazz-Musiker und Komponist, ich war neugierig darauf, das Stück “Arckepek pour violoncelle et orchestre” bei ihm in Auftrag zu geben!

Das Cellokonzert von Pēteris Vasks auf der CD ist zwar modern, aber dennoch tonal gut und attraktiv zu hören. Was hat Sie damals zur Auswahl bewogen? Und wie könnte Ihrer Meinung nach Neue Musik noch mehr an alle Menschen vermittelt werden?

Die Musik von Pēteris Vasks ist für mich eine echte Entdeckung! Es ist Musik, die direkt ins Herz geht und wirklich etwas erzählt. Als ich das Cellokonzert zum ersten Mal gehörte habe, habe ich sofort verstanden, dass es für den Komponisten etwas sehr Wichtiges und Schmerzliches war. Ich habe durch die Zusammenarbeit mit ihm verstanden, dass es um die gequälte Geschichte seines Landes, Lettland, ging. Pēteris Vasks hat diese Stärke, tiefe Gefühle kraftvoll auszudrücken. Ich habe auch sofort seine Liebe und Inspiration für die Natur erlebt, die mich direkt mit ihm verbunden hat.

Im Bereich der Neuen Musik gibt es ja viele bemerkenswerte Cellokonzerte, zum Beispiel die von Bohuslav Martinu. Welche Werke würden Sie gerne mal in einem Projekt verwirklichen, und gibt es schon Ideen für eine weitere Aufnahme?

Es stimmt, dass es viele wundervolle neue Musik Werke für Cello gibt, es ist eine grosse Chance für uns Cellist*innen! Meine nächste Aufnahme wird Repertoirestücke mit Orchester, Neue Musik, Werken für Cello solo und Cello und Klavier mischen. Vor einiger Zeit, habe ich Guillaume Connessons Cello Konzert entdeckt und es wirklich lieben gelernt! Es könnte sein, dass seine Musik Teil eines zukünftigen Projektes wird …

Olivia Gay, Foto von Olivia Kahler
Bei Ihrer Zweiten CD Origines mischen Sie dann aber sogar Volkslieder ins Programm. Wandern Sie gern zwischen den Welten?

Volksmusik ist die Musik eines Volkes, einer Erde … es ist die Musik des Herzens! Und sie hat so viele Komponist*innen inspiriert, und mich eben auch! Ich bin ein bisschen gereist, als ich ein Kind war. Volksmusik, Instrumente, Klänge haben mich immer fasziniert. Ich finde es sehr interessant, diese volkstümlichen Inspirationen in der klassischen Musik einzubringen!

Ist es Ihnen immer mehr ein Anliegen geworden, auch Ihre Interpretation von populären Werken wie Schumanns “5 Stücken im Volkston” vorzulegen?

Oh ja! Für mich ist es sehr wichtig, Musik zu betrachten, ohne zwischen Genres zu unterscheiden. Ich bewundere Musiker*innen mit sehr unterschiedlichen Universen sehr. Umso mehr, wenn sie sich frei und neugierig genug fühlen, von einem Genre zum anderen zu wandern. Ich denke da insbesondere an Yoyo Ma!

In “From Jewish Life” von Ernst Bloch spielen Sie mit der sehr flexibel agierenden Akkordeonistin Basha Slavinska. Wie kamen Sie auf die Idee, dieses Projekt innerhalb der CD-Produktion umzusetzen?

Das Akkordeon ist ein Instrument, das traditionell in der jüdischen Musik verwendet wird. Ich spiele seit vielen Jahren zusammen mit Akkordeon. Diese Idee der Transkription kam mir ganz natürlich. Der Klang des Akkordeons betont die traditionellen Ursprünge dieses Stückes sehr schön.

Mit Basha Slavinska haben Sie auch Konzerte geplant. Wie groß ist Ihre Hoffnung, dass Ihre bisher noch nicht abgesagten Termine doch noch stattfinden?

Ich freue mich sehr, dass diese Konzerte jetzt bestätigt sind! Und ich freue mich über alle Konzertveranstalter, die den Mut hatten, ihr Programm beizubehalten!

Zum diesjährigen Earth Day haben Sie ein Video veröffentlicht in dem Sie zu Klimaschutz aufrufen, und die Zuschauer*innen dann auf Greenpeace verweisen. Was war Ihnen an dieser Organisation besonders wichtig, und gibt es da noch mehr Kooperation, oder geplante Projekte?

Wie so viele klassische Musiker*innen und Komponist*innen vor mir bin ich sehr von der Natur inspiriert. Ohne Einklang mit der Natur, würde ich mich als Künstlerin nicht vollständig fühlen. Diese wichtige Verbindung zwischen Natur und klassischer Musik wird nicht oft betont, bleibt aber wichtig! In meinen sozialen Medien und in meinen Aufnahmen bemühe ich mich, klassische Musik und Natur wieder miteinander zu verbinden und ihre Bedeutung zu unterstreichen. Greenpeace ist eine große Organisation für den Umweltschutz. Ihre Arbeit ist unglaublich wichtig! Ich habe Greenpeace entdeckt, als ich in Deutschland lebte, und habe mich ihnen angeschlossen. Ich möchte gerne meine Liebe zu unserem Planeten durch Musik vermitteln! Es wäre für mich eine große Freude, eine Organisation wie Greenpeace mit dem was ich am besten kann zu unterstützen!

In dem Video spielen Sie an einem attraktiven, am Meer gelegenen Ort “Reverie au Bord de la mer” von Jacques Offenbach. Abgesehen vom passenden Namen und Thema, gab es noch weitere Beweggründe für Sie genau dieses Stück zu spielen?

Als ich dieses Video für Earth Day gedreht habe, dachte ich über das Repertoire für meine nächste CD nach, die ich diesen Sommer aufnehmen werde. Es ist ein Programm, das in der Natur stattfinden kann, und unter den ausgewählten Werken ist auch Offenbachs Stück. Es ist ein wunderschönes romantisches Stück, an das ich sofort gedacht habe, als ich das Panorama sah!

Welche Wünsche haben Sie für unsere Gesellschaft für die kommenden Jahre in Bezug auf das Thema Klima, und welche Wünsche haben Sie für Ihre eigene Entwicklung in der kommenden Zeit?

Ich hoffe sehr, dass im Bereich Umweltschutz schnell echte Maßnahmen ergriffen werden! Intensive Landwirtschaft, Luft- und Meeresverschmutzung … wir müssen in großem Umfang reagieren! Ich hoffe, dass ich durch Musik ein breiteres Publikum für dieses so wichtige Thema sensibilisieren kann. Wir müssen unsere Erde schätzen, und wie könnte man besser über Liebe sprechen als durch die Musik!

Concerts in June

Olivia looks forward to returning to the stage in June for three concerts. On Wednesday June 9th, Olivia joins Caroline Sageman (piano) and Sarah Jegou-Sageman (violin) at Paris’s popular art cabaret and jazz club Le Bal Blomet for a program including Tchaïkovski’s Trio en la mineur op. 50 and Rachmaninov’s Trio Élegiaque en sol mineur. More info

On Thursday June 17th, Olivia and pianist Célia Oneto Bensaid visit Church of Saint-Julien-le-Pauvre (Paris 5e) for a program of Beethoven, Schumann, Rachmaninov, and Popper. More info

On Sunday June 27th, Olivia joins Basha Slavinska (accordion) for the Festival Eure Poétique et Musicale at Verneuil d’Avre and d’Iton. The festival’s goal is to share great music in magical places. Their recital includes music by Elgar, Piazzola, and Popper. More info

Olivia has collaborated with Célia Oneto Bensaid and Basha Slavinska for her album “Origine[s]”.

///

Olivia se réjouit de revenir sur scène en juin pour trois concerts. Mercredi 9 juin à 20h00, Olivia rejoint Caroline Sageman (piano) et Sarah Jegou-Sageman (violon) au célèbre cabaret d’art et club de jazz à Paris, Le Bal Blomet (Paris 15e), pour un programme incluant le Trio en la mineur op. 50 de Tchaïkovski et le Trio Élegiaque en sol mineur de Rachmaninov. Plus d’infos

Jeudi 17 juin, Olivia et la pianiste Célia Oneto Bensaid présenteront un programme Beethoven, Schumann, Rachmaninov et Popper à l’église Saint Julien le Pauvre (Paris 5e). Plus d’infos

Dimanche 27 juin, Olivia rejoint Basha Slavinska (accordéon) pour le Festival l’Eure Poétique et Musicale à Verneuil d’Avre et d’Iton. L’objectif du festival est de partager de la belle musique dans des lieux magiques. Leur récital est consacré à la musique d’Elgar, Piazzola et Popper. Plus d’infos

Olivia a collaboré avec Célia Oneto Bensaid et Basha Slavinska pour son album « Origine[s] ».

Instagram

Comme beaucoup de compositeurs et d’artistes avant elle, Olivia est inspirée par le plein air, et l’influence de celui-ci n’a fait que s’accentuer en ces temps difficiles. Olivia vous invite à vous joindre à elle et à son chien, Jazz, lors de ses promenades quotidiennes (à suivre dans ses stories Instagram) imprégnées des sons inspirants de la nature et d’une ambiance revigorante. Après avoir écouté la bande sonore de la nature, elle vous invite à écouter un morceau de musique classique inspiré par le cadre de sa promenade.
Olivia vous invite également à la rejoindre sur Instagram pour ses performances hebdomadaires Instagram Live. Elle y a interprété des œuvres de Bruch, Glazounov, Rachmaninov et Fauré, entre autres, et est souvent accompagnée par de fabuleux musiciens invités. Ces représentations intimes sont enregistrées et peuvent être visionnées sur sa chaîne IGTV.
Rendez-vous sur le compte instagram d’Olivia pour vous tenir au courant de ses derniers projets, voir ses stories, assister à des concerts en direct, et plus encore.
Olivia est également impatiente de retourner sur scène dès l’ouverture des théâtres. Vous pouvez trouver son agenda complet ici
/// – English
Like many composers and artists of the past, Olivia is inspired by the great outdoors, and its influence has only grown stronger during these difficult times. Olivia invites you to join her and her dog, Jazz, on her daily nature walks (featured on her Instagram stories) filled with the inspiring sounds of nature and invigorating ambience. After listening to nature’s soundtrack, she invites you to listen to a piece of classical music inspired by that day’s surroundings.
Olivia also welcomes you to join her on Instagram for her weekly Instagram Live performances. There, she has performed works by Bruch, Glazounov, Rachmaninov, and Fauré, among others, and is often joined by fabulous guest accompanists. These intimate performances are archived and are available to view on her IGTV.
Visit Olivia’s instagram account to keep up with her latest projects, watch her stories, view live performances, and more.
Olivia is also looking forward to returning to the concert stage as soon as theaters open. You can find her full schedule here.

Bonne Année !

Olivia souhaite à tous une bonne année et une bonne santé ! Elle se réjouit de l’arrivée du printemps, qui sera marquée par de nombreux engagements passionnants, qu’elle est ravie de partager avec vous. Olivia se produira à la Schubertiade de Sceaux en avril, s’associant au célèbre pianiste Pierre-Kaloyann Atanassov pour un programme audacieux comprenant des œuvres de Schumann, Bartók, Vladiguerov, Zlatev-Cherkin, Boulanger et Debussy. Trois jours plus tard, Olivia donnera un concert au Conservatoire du Grand Belfort, suivi d’une masterclass. 
En mai, elle participera au festival « Les Heures Musicales de Binic » avec Armine Varvarian et Vadim Tchijik, interprétant le « Trio des Archiducs » de Beethoven. Le lendemain, Olivia se produira au Printemps musical de La Roche-sur-Yon aux côtés de Tristan Pfaff, Blandine Staskiewicz et Juliette de Massy, puis au à L’Eure Poétique et Musicale aux côtés de l’accordéoniste Basha Slavinska. 
/// – English
Olivia wishes everyone a healthy and happy New Year! She is looking forward to a Spring season featuring an array of exciting upcoming engagements and is thrilled to share them with you.
Olivia will be performing at Schubertiade de Sceaux in April, joining forces with acclaimed pianist Pierre-Kaloyann Atanassov for an adventurous program featuring works by Schumann, Bartók, Vladiguerov, Zlatev-Cherkin, Boulanger, and Debussy. Just three days later, Olivia will be performing a concert at the Grand Belfort Conservatory, followed by a masterclass. 
In May, she will be featured at “Les Heures Musicales de Binic” Festival with Armine Varvarian and Vadim Tchijik, performing Beethoven’s “Archduke Trio.” The next day, Olivia will be performing at La Roche-sur-Yon Spring Music Festival alongside Tristan Pfaff, Blandine Staskiewicz and Juliette de Massy, followed by a performance at Eure Poetic and Music Festival with accordionist Basha Slavinska. 

Origine[s]

 Ilona Records

Confiante en sa nature profonde, qui résonne au décloisonnement et au cheminement personnel plus qu’à la compétition, la violoncelliste Olivia Gay ose des projets atypiques et inventifs, dont l’exigence et la singularité viennent élargir l’écoute, au disque comme en concert : son premier enregistrement,
Horizon[s] (2018, Ilona Records), donnait à entendre un violoncelle éminemment lyrique au coeur de trois concertos de générations et de styles différents (Vasks, Hersant, Maillard); son programme Origine[s], à paraître début novembre sous le même label (concert de sortie le 13 novembre à 20h30 au Cirque Tzigane Romanès à Paris), tisse étroitement, avec l’accordéoniste Basha Slavinska et la pianiste Célia Oneto Bensaid, les liens entre musique savante et sources populaires.


Disque HORIZON[S] – extraits de la revue de presse

revue-de-presse-HORIZONS


Le disque HORIZON[S] enfin disponible !
cliquez-ici


 LE PREMIER DISQUE D’OLIVIA GAY

L’audace d’un tout premier disque consacré à la musique d’aujourd’hui!

« Horizons » est une rencontre entre la violoncelliste et trois compositeurs contemporains : Philippe Hersant, Pēteris Vasks et Thierry Maillard. Au programme, des concertos pour violoncelle peu interprétés : le Concerto n°1 de Philippe Hersant (1989), le Concerto n°1 de Pēteris Vasks (1994) et enfin Arckepek de Thierry Maillard (2014), écrit pour elle. Ils jouent avec des effectifs différents : de l’orchestre de chambre à la grande formation, créant ainsi trois horizons et trois climats.

Concert de sortie Salle Cortot, le 2 février 2018 à 20h, avec l’Orchestre Pasdeloup dirigé par Simone Menezes.

En savoir plus


Retour en image sur l’enregistrement, à la Philharmonie de Paris, du Concerto n°1 pour violoncelle et orchestre de chambre de Philippe Hersant et de Peteris Vasks.


« Enfant, je chantais tout le temps, se souvient Olivia Gay, mais j’étais trop timide pour devenir chanteuse ! » C’est le violoncelle qui devient tout naturellement sa voix intérieure, propre à exprimer les émotions pour lesquelles les mots ne suffisent pas.